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Industry Insights & Benchmarks

Slide-Teardown: Die Market Overview im Investment Banking

11.07.2026

Slide-Teardown: Die Market Overview im Investment Banking

Die Market Overview gehört zu den Standardseiten jedes Information Memorandums. Sie belegt mit Marktdaten, warum das Zielunternehmen in einem attraktiven Umfeld arbeitet - und sie ist die einzige Seite des Dokuments, deren Aussagen ein Empfänger gegen externe Quellen prüfen kann. Entsprechend genau wird sie gelesen.

In diesem Teardown zerlegen wir eine typische Market Overview in ihre vier zentralen Produktionsprobleme und zeigen das Redesign.

Hinweis zur Methodik: Die gezeigte Ausgangs-Slide ist keine Kundenarbeit, sondern ein rekonstruierter Archetyp mit einem fiktiven Mandat aus dem SaaS Vertical: Projekt „Falcon", der Verkauf eines europäischen E-Invoicing- und AP-Automation-Anbieters.

Die Ausgangslage

Der Kontext: Sell-Side-Mandat, Kapitel Markt. Die Seite hat inhaltlich alles, was sie braucht, sogar einen echten Action Title, der die beiden Kernbotschaften trägt: Der Markt wächst mandatsgetrieben von €3.4bn auf €7.0bn, und er ist fragmentiert genug für eine Konsolidierungs-Story. Darunter vier sauber recherchierte Wachstumstreiber, die Marktentwicklung als Chart, die Segmentierung, die Wettbewerbsaussage. Der Analyst hat hier nichts falsch gemacht - im Gegenteil, die Treiber-Argumentation von ViDA bis zur Cloud-ERP-Migrationswelle würde jeder Marktstudie standhalten. Was der Seite fehlt, ist visuelle Hierarchie und Lesefluss.

Typische Market-Overview-Slide vor dem Redesign: Bullet-Wand, zwei Charts in Office-Stilistik, nicht fluchtende Kanten und eine als Randnotiz gesetzte Wachstumsrate.

Die Diagnose: Vier Designprobleme, die dieser Slide ihre Wirkung kosten

Wichtig vorab, wie in jeder Folge dieser Serie: Keines der folgenden Probleme ist ein Inhaltsproblem. Der Titel sitzt, die Treiber sind belastbar, und die Zahlen rechnen sich sauber auf die ausgewiesene Wachstumsrate zurück.

1. Die Kernzahl der Seite ist eine Randnotiz

Diese Seite existiert im Kern für eine einzige Zahl: die Marktwachstumsrate von +15.5% p.a. Sie ist die Zusammenfassung des Charts, die Grundlage des Action Titles und die Zahl, die ein Investor in sein Screening-Memo übernimmt.Auf der Slide steht sie in acht Punkt Grau neben der Chart-Überschrift, kleiner gesetzt als jede Achsenbeschriftung. Wer die Seite überfliegt, nimmt die Säulen wahr, muss die Wachstumsrate aber selbst überschlagen. Diese Arbeit sollte die Seite dem Leser abnehmen, gerade bei ihrer zentralen Aussage.

Die Wachstumsrate von 15,5 Prozent pro Jahr steht als graue 8-Punkt-Randnotiz neben dem Titel

2. Die Seitenhälften sind nicht verbunden

Inhaltlich ist diese Seite eng verzahnt: Treiber eins und zwei erklären die Wachstumskurve, die Segmentierung begründet die Fragmentierungsaussage. Visuell sind es vier Fremde: Eine Bullet-Wand links, ein Charts rechts und unten, ein verlorener Satz zum Wettbewerb, alle mit gleichgewichtigen Überschriften und ohne jede Route dazwischen. Der Leser muss die Argumentationskette selbst montieren, die eigentlich die Slide ausdrücken sollte. Auf einer Seite, die in dreißig Sekunden die Frage „ist dieser Markt ein Investment wert?" vorentscheiden soll, ist jede Montage-Sekunde eine zu viel.

3. Kein Raster - nichts fluchtet

Mit Hilfslinien wird es sichtbar: Titel, Untertitel, Überschriften, Bullet-Block, Charts und Quellenzeile beginnen auf sieben verschiedenen linken Kanten, alle wenige Millimeter gegeneinander versetzt. Die beiden Chart-Flächen sind unterschiedlich breit, die Überschriften in drei Größen gesetzt. Der Betrachter kann nicht benennen, was ihn stört. Die Seite wirkt lediglich unruhig und unfertig. Ein sauberes Raster fällt niemandem auf - ein fehlendes spürt jeder.

Titel, Textblöcke, Chart-Überschriften und Charts sind nicht ausgerichtet.

4. Restfläche statt Weißraum: Die Struktur lässt die Seite unfertig aussehen

Gestalteter Weißraum ist ein Werkzeug: Er rahmt, gewichtet, gibt dem Auge Ruhe, und man erkennt ihn daran, dass er verteilt ist. Was diese Seite unten rechts zeigt, ist etwas anderes: Restfläche. Ein Viertel der Slide steht leer unter einem einzelnen Satz, während die linke Spalte gedrängt sitzt - und Leere an nur einer Stelle liest der Betrachter nicht als Design, sondern als Lücke.

Die erste unbewusste Frage lautet: Fehlt hier ein Chart? Auf der Marktseite ist das die teuerste aller Fragen, denn „hier fehlt etwas" übersetzt sich beim Leser direkt in „hier wurde nicht zu Ende recherchiert". Die Ursache ist strukturell, nicht kosmetisch: Die Inhalte wurden in der Reihenfolge ihres Entstehens auf die Seite gefüllt — Bullets links, Charts wohin sie passten, der Wettbewerbssatz an die freie Stelle, statt nach einer Informationsarchitektur, die jedem Element Fläche nach Gewicht zuweist.

Keine Flächengröße auf dieser Seite hat eine Beziehung zur Bedeutung ihres Inhalts. So entsteht das Paradox, das nur schlecht strukturierte Slides schaffen: Die Seite wirkt gleichzeitig überfüllt und leer.

Eine große leere Fläche unten rechts, während die linke Seite gedrungen ist.

Das Redesign

Market Overview nach dem Redesign: identische Texte und Zahlen in klarem Raster mit Headline-Bändern, Icon-Karten, CAGR-Callout und Fragmentierungs-Panel. Das Design ist bewusst im Tech-Appeal CI des Mandanten gehalten.

Die Entscheidungen dahinter

1. Zwei Headline-Bänder verankern das Raster und beenden die Kantenanarchie.

Die Sektions-Überschriften wurden zu durchgehenden Bändern, die die Spalten definieren; alles darunter - Karten, Charts, Panels - bezieht seine Kanten von ihnen. Aus sieben Fluchtlinien wurden zwei Spalten mit identischen Ankern. Das ist die Antwort auf das Raster-Problem, und sie ist bewusst die sichtbarste Entscheidung des Redesigns: Ordnung, die man auf den ersten Blick sieht, ist auf einer Marktseite selbst ein Argument.

Die Treiber wurden zu Icon-Karten und die Seitenhälften sprechen dieselbe Sprache

Aus der Bullet-Wand wurden vier gleichförmige Karten mit Piktogramm, gesetzt in derselben Kartensprache wie die Chart-Container rechts. Wortgleicher Text — aber die beiden Hälften der Seite gehören jetzt erkennbar zu einem System, und die vier Treiber sind als vier unterscheidbare Argumente scanbar statt als ein Textblock mit Punkten davor.

Die Wachstumsrate wurde von der Randnotiz zum Callout befördert

+15.5% p.a. steht jetzt gerahmt und prominent über dem Chart, das sie belegt — die Seite liefert ihre Kernzahl, bevor der Leser die erste Säule gelesen hat. Dieselbe Behandlung bekam die zweite Kernaussage: Der Fragmentierungssatz, vorher ein verlorener Streutext, ist ein gerahmtes Panel mit Icon neben dem Segment-Chart. Das ist die vielleicht schönste Einzeldemonstration des Serien-Prinzips — exakt derselbe Satz, aber eine Bühne statt eines Streuplatzes. Und es sind, kein Zufall, genau die zwei Botschaften, die ein Investor aus einer Market Overview mitnehmen soll: wächst schnell, ist konsolidierbar.

Ein SaaS Tech-Design im CI des Mandanten ersetzt das Office-Standard-Design

Beide Charts sprechen jetzt dieselbe reduzierte Tonalität aus der Farbwelt des Mandanten, mit einer konsistenten Logik für Beschriftung und Achsen. Die Daten sehen nicht mehr hineinkopiert aus, sondern durchdrungen - und die Seite sendet das Signal, für das sie existiert: Diesen Markt hat jemand verstanden, bis ins Werkstück hinein.

Die Ops-Rechnung

Die Market Overview wird pro Boutique nicht neu erfunden, sie wird pro Mandat variiert: neues Vertical, neue Quellen, neue Zahlenreihe, dieselbe Seitenlogik. Genau beim Variieren stirbt die Form. Das Chart des letzten Mandats wird umbefüllt und bringt seine alte Achse mit, die Bullet-Wand wird länger oder kürzer und sprengt das Raster, ein Segment-Chart kommt aus einer anderen Datei samt fremder Palette.

Pro Mandat stecken in dieser einen Seite realistisch zwei bis vier Analystenstunden über mehrere Runden: Umbau, Reparatur, Abgleich, bei vollbelasteten Kosten von 120 bis 180 € pro Stunde also 250 bis 700 € pro Mandat für eine Seite, die konzeptionell längst existiert. Multipliziert über die Marktkapitel aller laufenden Mandate ist das die teuerste Form von Wiederverwendung: eine, die jedes Mal fast von vorn beginnt.

Fazit

Die Market Overview arbeitet mit externen Daten und wird deshalb kritischer gelesen als die meisten anderen Seiten eines Information Memorandums. Produktionsqualität ist hier keine Stilfrage, sondern beeinflusst direkt, wie glaubwürdig die Seite wirkt: Eine schlecht sichtbare Kernzahl kostet Aufmerksamkeit, ein fehlendes Raster kostet Ruhe, eine leere Fläche wirkt wie unvollständige Recherche. Nichts davon steht im Inhalt — aber alles davon bestimmt mit, wie der Inhalt aufgenommen wird.

Das Redesign hat kein Wort und keine Zahl verändert. Es hat derselben Substanz eine Produktion gegeben, die ihrem Niveau entspricht. Und weil diese Seite mit jedem Mandat neu angepasst wird, ist das keine einmalige Designaufgabe, sondern ein wiederkehrendes Produktionsthema.

Wenn Ihnen die Vorher-Slide bekannt vorkommt, ist das kein Qualitätsproblem Ihres Deal-Teams, sondern ein Produktionsproblem. Ihre Analysten liefern Research und Story, die Produktionsebene lässt sich systematisieren, mit festem Raster, definierter Chart-Logik und Turnaround-Zeiten, die zu Deal-Rhythmen passen.

Ein guter erster Schritt ist unser PresentationOps-Audit: Es zeigt, wo in Ihrer Materialproduktion Analystenstunden und Qualität verloren gehen.

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